Barfuß gehen

Sind Füße die besseren Schuhe?

Von Mark Krüger · 2023

Hat der Nachwuchs erst einmal Fuß gefasst – etwa im 14. Lebensmonat –, tragen ihn seine „Mauken“ durchs ganze Leben und müssen dabei viel leisten. Umso wichtiger ist es, Kindern eine optimale Entwicklung der Füße zu ermöglichen – auch um Folgeschäden, etwa am Rücken, im Erwachsenenalter zu vermeiden. Worauf gilt es zu achten? Und wie gesund ist das Barfußlaufen?

Half Shot: Kind rennt über eine Wiese
Kinder sollten so oft wie möglich barfuß unterwegs sein. Foto: iStock / Lolkaphoto

Es gibt wohl kaum Eltern, die ihm noch nicht begegnet sind: dem Protest, wenn das Kleinkind Schuhe tragen soll. Instinktiv, bei der ersten Gelegenheit, sind die Stiefel zu Hause oder die Sandalen auf dem Spielplatz wieder ausgezogen. Ganz nach dem Motto: Freiheit für die Füße! Wer nacktfüßig durch den Matsch springt oder über den kitzelnden Rasen läuft, schärft nicht nur die Sinne. Auch wird die körpereigene Temperaturregulierung gefördert, was sich positiv auf das Immunsystem auswirken kann. Das Barfußlaufen hat aber vor allem einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Fußmuskulatur, Bänder und Gelenke – und somit die motorischen Fähigkeiten. 

Barfuß gehen verbessert die Geschicklichkeit

So konnte eine Studie, die 2018 im Fachmagazin „Frontiers in Pediatrics“ erschienen ist, eine verbesserte Geschicklichkeit nachweisen: Ein Wissenschaftlerteam von der Universität Jena hat dazu zusammen mit Forschenden der Universität Stellenbosch (Südafrika) Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren aus Südafrika, die gewohnheitsmäßig auf dem Weg zur Schule keine Schuhe tragen, und aus Deutschland miteinander verglichen. Das Ergebnis: Die Barfuß-Kinder – vor allem in der Gruppe der Sechs- und Zehnjährigen – waren den deutschen Schuh-Kindern bei Balance-Tests und beim Springen eindeutig überlegen. Nur beim Sprinten waren die deutschen Schüler zwischen elf und 14 Jahren besser. 

Schuhe mit Folgen

Gemäß älteren Studien weisen Kinder, die unbeschuht laufen, einen breiteren Fuß, ein höheres Fußgewölbe und ein weniger angewinkeltes Großzehengrundgelenk auf. Das viele Tragen von Schuhen mit starren Sohlen in jungen Jahren verändert folglich die Architektur des Fußes und somit das biomechanische Zusammenwirken der einzelnen Elemente der Füße, sodass Fuß- und Rückenprobleme entstehen können, die sich oft erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen. 

Nachhaltig gesundheitliche Schäden drohen, wenn Kinder zudem ein nicht passendes, meist zu kleines Schuhwerk tragen. Muskel- und Sehnenschmerzen oder sogar veränderte Zehenstellungen und Wirbelsäulenprobleme können die Folge sein. Vorsicht: Die angegebene Schuhgröße ist kein verlässliches Kriterium, dass die Schuhe dem Kind passen. Der Grund: Es gibt keine internationale Norm, an welche sich Hersteller halten müssen. Das regelmäßige Ausmessen der Füße, am besten in einem Fachgeschäft, ist daher das A und O. 

Geschützt „barfuß“ unterwegs

Wenn die Kids bloßfüßig unterwegs sind, schwingt eine Sorge der Eltern meist mit: die Verletzungsgefahr. Ob Scherben auf dem Fußboden, rutschige Fliesen, Bienen in der Wiese – es gibt natürlich immer Gründe, die zum einen gegen das Barfußlaufen sprechen, und zum anderem gibt es nun mal örtliche oder klimatische Bedingungen, bei denen Schuhe unverzichtbar sind. Die Lösung für barfußbegeisterte Eltern und Kinder sind spezielle, aus flexiblem Material gefertigte Barfußschuhe, die es inzwischen auch in einer großen Auswahl für Kinder gibt. Typisch ist eine besonders dünne Sohle, durch die sich der Fuß besser dem Untergrund anpassen kann und die den Fuß in seinem ursprünglichen Bewegungsablauf unterstützt. Die bunten „Treter“ bieten also nicht nur Schutz, sondern ermöglichen vor allem die natürliche Aktivierung der Muskulatur und Förderung stabiler Gelenke – für gesunde Füße ein Leben lang.

Schon gewusst?

Unsere Füße sind beeindruckend komplex aufgebaut: 26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln und über 100 Bänder bilden ein ausgeklügeltes stabiles System, das uns durchs Leben trägt – am Tag durchschnittlich etwa 5.000 Schritte.

Quelle: www.gesellschaft-fuer-fusschirurgie.de/fuer-patienten/fuss-info/fussanatomie.html; Zugriff: 17.07.2023

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