ADHS bei Kindern

Dauerzustand innere Unruhe

Von Tobias Lemser · 2020

Ständige Reizüberflutung und eine schlechte Konzentrationsfähigkeit sind die markanten Merkmale von ADHS – eine der häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern. Doch wie kommt es überhaupt dazu und wie gelingt es, wieder mehr Ordnung in das „Chaos im Kopf“ zu bringen?

Tochter springt auf der Couch herum, während die Mutter verzweifelt daneben sitzt. Thema: ADHS bei Kindern
Foto: iStock/fizkes

Nie zuvor haben Eltern schulpflichtiger Kinder so viele Erkenntnisse über deren Lernverhalten gewonnen wie zuletzt beim Homeschooling in der Corona-Krise: Vielen wurde erst da so richtig klar, wie viel Geduld und pädagogisches Wissen Lehrer tagtäglich aufbringen müssen – vor allem dann, wenn eine ADHS-Problematik vorliegt. 

ADHS bei Kindern: charakteristische Anzeichen

Doch wann ist von einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung die Rede? ADHS bezeichnet eine Verhaltensstörung, die durch einen übersteigerten Bewegungsdrang, eine gestörte Konzentrationsfähigkeit und Impulsivität gekennzeichnet ist – eine Erkrankung, mit der auch so mancher Prominente leben muss, sei es der Medizinjournalist Eckart von Hirschhausen oder Sänger Justin Timberlake. Zurückzuführen ist ADHS vor allem auf die Gene. Da die Nervenzellen im Gehirn nur unzureichend mit dem Botenstoff Dopamin versorgt werden, kommt es zu einer gestörten Informationsweitergabe. Reize wer-den schlecht gefiltert, was wiederum zu einer Reizüberflutung und letztlich zu innerer Unruhe führt. Laut Schätzungen haben bundesweit rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren ADHS. In der Regel sind Jungen davon betroffen. Anders bei ADS, das für Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom steht: Vor allem Mädchen leiden unter dieser Erkrankung, für die in erster Linie fehlende Konzentration charakteristisch ist. Da diese Kinder zumeist als „Träumer“ abgetan werden, wird die Erkrankung zunächst oft übersehen.

Alternativen zur chemischen Keule

Problem insbesondere bei ADHS: Viele Eltern beugen sich irgendwann dem Druck der Schule und Mitschüler und stimmen der Gabe von Psychopharmaka zu – mit teils erheblichen Risiken, sowohl für Wesensveränderungen und Wachstumsstörungen als auch für Schlaflosigkeit und Depressionen. Ganz abzusehen von den Folgen bei Absetzen dieser Medikamente. Experten sprechen dann von sogenannten Rebound-Effekten, die ein monatelanges „Ausschleichen“ der Medikamente notwendig machen. Alternativ dazu ist es besser, zunächst zu Nahrungsergänzungsmitteln etwa mit Omega-3-Fetten zu greifen. In einer Ende 2019 veröffentlichten Studie haben Forscher aus London und Taiwan herausgefunden, dass sich ADHS-Kinder nach zwölfwöchiger Einnahme dieser Präparate aufmerksamer und weniger impulsiv verhielten. Aber auch eine ganz allgemein optimierte Ernährung in Form von weniger Zusatzstoffen und Zucker ist wichtig, genauso wie Sport und Entspannung. Während gerade Individualsportarten dafür sorgen, sich frei zu entfalten und Energie abzubauen, kann Musik helfen, in einen ruhigen, erholsamen Schlaf zu finden.

Quellen:
www.adhs.info/fuer-eltern-und-angehoerige/adhs-was-ist-das/
www.adhs-deutschland.de/Home/ADHS/ADHS-ADS.aspx
www.los.de/ratgeber-fuer-lrs/adhs/ads

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