Was hilft bei ADHS?

Gegen das Chaos im Kopf

Von Nadine Effert · 2018

Mutter mit Kind, das herumquengelt. Thema: ADHS

Ständige Unruhe, Schlafstörungen, Wutanfälle, Probleme bei den Hausaufgaben: Das sind typische Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Sind Kind und Eltern überfordert, liegt der Griff zum Rezeptblock oft nahe. Dabei kann vielen Kindern auch ohne Medikamente geholfen werden.

Immer wieder müssen Eltern sich gegen das Vorurteil wehren, sie hätten ihr Kind „nicht richtig erzogen“. Auch der Spitzname „Zappelphilipp-Syndrom“ verniedlicht ungerechtfertigt eine für alle Beteiligten belastende Krankheit, die laut ADHS Deutschland die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen ist. Schätzungen zufolge sind etwa fünf Prozent im Alter von drei bis 17 Jahren betroffen – wobei bei etwa der Hälfte der ADHS-Patienten die Symptome im Erwachsenenalter bestehen bleiben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem die Gene als Auslöser eine Rolle spielen. Offenbar werden die Nervenzellen im Gehirn zu wenig mit dem Botenstoff Dopamin versorgt, sodass die Informationsweitergabe gestört ist und Reize schlecht gefiltert werden. Die Folge: Die Betroffenen sind einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt und können sich unter anderem schlecht konzentrieren.

ADHS: Hilfe mit Nebenwirkungen

Häufig erfolgt dann die Behandlung mit Medikamenten. Sie versprechen zwar schnelle Hilfe, sind aber auch nicht ohne, können sie doch Nebenwirkungen wie Schlafprobleme, Lethargie und verminderten Appetit verursachen. Die unter das Betäubungsmittelgesetz fallenden Präparate dürfen nur von Spezialisten verschrieben werden – und das auch nur nach sorgfältiger Diagnose und in schweren Fällen. Für Eltern heißt es, stets gut abzuwägen – insbesondere, wenn aus ihrer Sicht zu rasch der Rezeptblock gezückt wird. Vor dem Griff zur Chemiekeule sollten eine Verhaltenstherapie und Elterntraining grundsätzlich Vorrang haben, so steht es auch in der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS. 

Sanft zur Ruhe kommen

Gegebenenfalls hilft bei nahrungsmittelinduzierter Symptomatik eine Ernährungsumstellung oder auch die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln. Ebenso können andere sanfte Maßnahmen die Intensität der Symptome beeinflussen, wie Sport und Neurofeedback. Ein sportliches Projekt läuft aktuell in Münster in Kooperation mit der dort ansässigen Universität. „Skaten statt Ritalin“ heißt es. Die Studie soll den Nachweis liefern, dass die Kinder durch das Skateboardfahren messbare Erfolge in der Selbststeuerung erzielen können. Fazit: Der Versuch, auf die Gabe von Medikamenten zu verzichten, lohnt sich, und kann bei so manchem Kind bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen. Grundsätzlich muss eine Therapie individuell auf das Kind zugeschnitten sein. Nur dann ist sie in der Lage, die psychischen Fesseln aus Konzentrationsschwäche, Impulsivität und motorischer Unruhe zu sprengen. 

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